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18.06.2014 09:08 Alter: 6 yrs
Kategorie: 3-2014, Verantwortliche Unternehmensführung

Leitplanken für verantwortungsbewusste Nachhaltigkeitspolitik

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat vor kurzem ein neues Politikpapier zur Debatte um Nachhaltigkeitsziele vorgestellt. Darin wird die Verantwortung der Mittel- und Oberschichten betont, für den Schutz des Planeten einzutreten.


Unter dem sperrigen Titel "Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken - Ein Beitrag zur SDG-Debatte" haben die Wissenschaftler die aus ihrer Sicht zentralen Aspekte und Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung zusammengefasst. Die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals - SDG) sollen im kommenden Jahr die Millenniumentwicklungsziele der Vereinten Nationen ablösen und prägen somit weltweit die Debatten zur Entwicklungspolitik.

Umweltschutz und Armutsbekämpfung sind kein Widerspruch, heißt es in einer Erklärung des WBGU, im Gegenteil: Maßnahmen zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen seien nicht nur Voraussetzung, sondern können auch zum Motor von Wohlstandszuwächsen bei den unteren Einkommensgruppen der Welt werden. Allerdings könnten die Armen diese Fortschritte nicht aus eigener Kraft finanzieren. Die Wissenschaftler sehen vor allem die Mittel- und Oberschichten in der Pflicht, sich für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen einzusetzen. Ihre Konsumentscheidungen und Lebensstile trügen am stärksten zur Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen bei, etwa durch deren hohen Ressourcenverbrauch oder CO2-Ausstoß pro Kopf-. Gleichzeitig hätten diese Gruppen den besten Zugang zu nachhaltigen Technologien. Damit obliege ihnen die Verantwortung, Vorreiter für den Schutz des Erdsystems zu werden und Raum für eine nachhaltige Entwicklung der armen Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Hier sei die Politik gefordert, passende Voraussetzungen für nachhaltige Produktions- und Konsummuster zu schaffen. Ordnungsrecht sollte in Form von Ge- und Verboten den Rahmen zur Einhaltung von Leitplanken setzen und marktwirtschaftliche Instrumente die dazu förderlichen Anreize. Konsumenten und Produzenten benötigen zudem ausreichend Informationen zur Beurteilung des eigenen Handelns.

Durch die bisherigen, regelmäßig nicht nachhaltigen Entwicklungsmuster seien die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen ?massiv gefährdet?. Aus diesem Grund empfiehlt der WBGU, ein umfassendes Umweltziel ?Sicherung der Erdsystemleistungen? in den Katalog der neuen nachhaltigen Entwicklungsziele aufzunehmen. Dadurch sollen Entwicklungspfade in Einklang mit ökologischen Grenzen gebracht werden, damit der zivilisatorische Fortschritt gesichert werden kann. Für die Operationalisierung dieses Ziels empfehlen die Wissenschaftler sechs Handlungsgebiete zu verankern:

  • Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen, um unumkehrbare Klimafolgen zu vermeiden.
  • Ozeanversauerung auf 0,2 pH Einheiten begrenzen, um die Meeresumwelt intakt zu halten.
  • Verlust von biologischer Vielfalt und Ökosystemleistungen stoppen, um die natürlichen Lebengrundlagen zu schützen
  • Land- und Bodendegradation stoppen, um die weltweite Nahrungsproduktion nicht zu gefährden.
  • Risiken durch langlebige anthropogene Schadstoffe (wie z.B. Quecksilber oder  Plastikabfälle) begrenzen, da die damit verbundenen negativen Auswirkungen schwer rückgängig zu machen sind.
  • Verlust von Phosphor beenden,  da dieses Element der limitierende Faktor für die Landwirtschaft ist.

Die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele sollen für alle Länder gelten, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand, schlägt der WBGU vor. Auch Deutschland und die Europäische Union hätten erheblichen Handlungsbedarf und sollten sich im Rahmen der laufenden internationalen Verhandlungen zu den globalen nachhaltigen Entwicklungszielen für dieses Umweltziel einsetzen.