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22.05.2014 08:26 Alter: 6 yrs
Kategorie: 3-2014, Soziale Verantwortung

Altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung

Ein Forschungsprojekt mit Praxisanschluss und Beteiligung der Initiative Demografie Aktiv NRW hilft Unternehmen mit manueller Montagetätigkeit bei der altersgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze.


Altersgerechter Montagearbeitsplatz

Gerade in Handwerks- und Montagebetrieben sind die Möglichkeiten beschränkt, dass ältere Mitarbeiter konstant gesundheits- und kräfteschonend arbeiten können, das wurde auch bei der zweiten future-DemografieFit-Tagung in Münster deutlich. Die Personalleiterin eines Handwerksunternehmens mit 200 Mitarbeitern hatte geklagt, dass sie ältere Gerüstbauer, die sieben bis acht Tonnen Gewicht pro Tag bewegen, abends nicht noch zum Yoga schicken kann, damit sie fit bleiben. Auch das Training gesundheitsschonenderer Arbeitsweisen habe seine Grenzen. Manfred Nedler vom DemografieFit-Projekt riet zwar zur Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten am Arbeitsplatz ? empfahl aber letztlich Freischichten bei vollem Lohnausgleich, mit denen einige Unternehmen die Belastungen Älterer auch betriebswirtschaftlich erfolgreich reduziert hätten. Gegen hohe Krankenstände sei eine Verjüngung des Durchschnittsalters der Belegschaft keine Lösung, stellte die Unternehmensvertreter fest: "Die 25-Jährigen werden schneller krank als die erfahrenen Älteren."

Eine erste Möglichkeit, die gesundheitlichen und leistungsmindernden Folgen für Ältere zu mindern, ist eine altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung. Erst in den letzten Jahren, mit zunehmendem Bewusstsein einer älter werdenden Gesellschaft, rückt dieses Thema ins Interesse der Unternehmen und Versicherer. Doch wie lassen sich Arbeitsplätze so gestalten und optimieren, dass sie sich für ältere Mitarbeiter eignen? Mit dieser Frage befasst sich ein neues Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Fertigungstechnik an der Universität Duisburg-Essen (UDE) in Zusammenarbeit mit dem Velberter Fabrikplanungsunternehmen Fastplan. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das auf zwei Jahre angelegte Vorhaben mit 170.000 Euro.

Dazu werden zunächst die motorischen Fähigkeiten in Form eines Fitnessvideos messtechnisch erfasst und nichtmotorische per Erhebungsbogen abgefragt. Zusätzlich werden die manuellen Arbeitsabläufe mit Bildsensoren aus drei Perspektiven aufgenommen. Weichen individuelles Leistungsvermögen und Arbeitsplatzanforderung voneinander ab, kann das Arbeitssystem rechnergestützt angepasst werden. So können etwa Greifabstände zwischen den Montageteilen verringert, die Schrift auf den Arbeitsanweisungen vergrößert oder auch zusätzliche Lichtquellen eingerichtet werden.

Die konkreten Lösungsvorschläge gehen weit über die bekannten Ansätze zur ergonomischen Bewertung von Arbeitsplätzen hinaus. Intuitiv und einfach sollen sie dem Arbeitgeber helfen, individuell zugeschnittene Arbeitsumgebungen bereit zu stellen.

Unterstützt wird das Vorhaben von dem industriellen Netzwerk Schlüsselregion Velbert/Heiligenhaus, der Deutschen MTM-Vereinigung und der Initiative Demografie Aktiv NRW.