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< Claus Hipp: Wettbewerbsvorteile für nicht nachhaltig handelnde Unternehmen abschaffen
13.08.2013 12:29 Alter: 8 yrs
Kategorie: 4-2013, Soziale Verantwortung

Ehrliche Demografiestrategie gefordert

Anleitung zum Wenigersein, so nennt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung den eigenen Vorschlag zum Umgang mit Alterung und Bevölkerungsrückgang.


Erwerbsbevölkerung nach Altersgruppen 1950-2050

Zwar wird kein Thema Deutschland künftig mehr verändern als das Altern und Schrumpfen der Bevölkerung, doch in der Debatte um den demografischen Wandel mangele es an Ehrlichkeit und vor allem an langfristigen Plänen: Die Demografiestrategie der Bundesregierung sei unzureichend, so das im Jahr 2000 gegründete Berlin-Institut, ein privatfinanzierter Thinktank, der das Bewusstsein für den demografischen Wandel und die nachhaltige Entwicklung fördern will.

Weiter als 2030 planen

Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts beklagt, dass die Demografiestrategie der Bundesregierung die wichtigsten Baustellen des demografischen Wandels ausklammere. "Zudem endet sie im Jahr 2030 ? dann, wenn die Alterung ihren größten Einfluss auf die Gesellschaft ausüben wird.? Sein Institut sieht deswegen in seinem Diskussionspapier erheblichen Nachbesserungs- und Reformbedarf in den vier Bereichen Familienpolitik, Fachkräftesicherung, Sozialsysteme und Regionalpolitik.

Fürsorge- statt Ehegattensplitting

So sei es trotz erheblichen Aufwands der Familienpolitik bisher nicht gelungen, etwas am Nachwuchsmangel ? einer der Haupt-Ursachen für die demografischen Probleme ? zu verändern. Sie sei teuer, ineffizient und ohne klares Ziel. Das Institut fordert, dass Familienpolitik jene unterstützt, die durch Kindererziehung und Pflege Verantwortung übernehmen ? und zwar unabhängig von Ehestand und Verwandtschaftsgrad. Das Ehegattensplitting sei deshalb durch ein Fürsorgesplitting zu ersetzen. Gleichzeitig müsse der Staat eine zuverlässige, qualitativ hochwertige Betreuungsinfrastruktur für Familien fördern und mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten ermöglichen.

Zuwanderung fördern

Weiteren Reformbedarf sieht das Institut bei der Fachkräftesicherung. Noch immer habe die Aktivierung der ?stillen Reserve? ? der Arbeitslosen, der Frauen und der Älteren ? Vorrang vor der Anwerbung von Menschen aus anderen Ländern. Die Lücken im Arbeitsmarkt würden jedoch demografiebedingt bald so groß, dass alle Möglichkeiten der Fachkräftesicherung gleichzeitig genutzt werden müssten. Deshalb solle das Land seine Attraktivität für Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern deutlich erhöhen.

Rückzug aus den Regionen

Neben einer Anpassung der Rentenversicherung nennt das Institut als weitere Baustelle den Umgang mit den demografisch stark angeschlagenen ländlichen Regionen: ?Wo die Bevölkerung deutlich geschrumpft ist, lässt sich die gewohnte Versorgung schon heute nicht mehr garantieren?, sagt Klingholz. ?Die Politik muss sich daher ehrlicherweise vom Primat gleichwertiger Lebensverhältnisse verabschieden. Sie muss einen Ordnungsrahmen für das Kleinwerden, mancherorts sogar für den geordneten Rückzug schaffen.?

future hat bereits in einem Standpunkt von Dr. Udo Westermann die Situation für Unternehmen im demografischen Wandel verdeutlicht und zur Verbesserung der Situation das eigene Projekt DemografieFit in den Regionen Münsterland und Mittelhessen auf den Weg gebracht.