future-Newsletter 5/2012

03.12.2012

Studie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Europa

Die Arbeitzeiten von Frauen unterschieden sich nach wie vor erheblich von denen der Männer. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Danach arbeiten in Deutschland männliche Beschäftigte im Durchschnitt 40,3 Wochenstunden, Frauen 32,3 Stunden. Mit einem Unterschied von knapp acht Stunden nimmt Deutschland einen der Spitzenplätze in Europa ein, nur in den Niederlanden, Großbritannien und Irland ist das Ausmaß der Arbeitszeitunterschiede noch höher.

?Zwar sind immer mehr Frauen erwerbstätig, aber zu immer kürzeren Arbeitszeiten?, stellt die  IAQ-Forscherin Dr. Angelika Kümmerling fest. Anhand von Daten aus dem 5. European Working Conditions Survey hat sie mit Kollegen die Arbeitszeiten, Arbeitszeitwünsche und Work-Life-Balance der Europäer  im Lebensverlauf untersucht. Arbeit werde innerhalb der Gruppe der Frauen umverteilt ? auf Kosten zunehmender Ungleichheit. Kümmerling:  ?Teilzeitarbeit hat vielen Frauen die Berufstätigkeit erst ermöglicht, wird aber dann zur Falle: Sie kappt Karrieremöglichkeiten ebenso wie Verdienstchancen im Lebensverlauf ? bis hin zum Risiko der Altersarmut!?

In allen Ländern der EU scheint Familienarbeit nach wie vor Frauenarbeit. Vor allem für die Arbeitszeiten von Frauen in Deutschland haben Kinder einen nachhaltigen und negativen Einfluss. In Deutschland arbeiten Frauen mit kleinen Kindern rund 12 Stunden weniger als ihre männlichen Kollegen in der gleichen Situation; zum Vergleich: die Differenz in der EU-27 beträgt ?nur? 7,1 Stunden. Im Durchschnitt verbringen Mütter in der Woche 37,5 Stunden mit Hausarbeit und Kinderbetreuung, Männer im Mittel 15,2 Stunden. Addiert man hierzu die mit Erwerbsarbeit verbrachte Zeit, so arbeiten Männer mit Kindern unter sieben Jahren im Durchschnitt 56,5 Stunden, Frauen 66,6 Stunden.

Insofern sei es nicht verwunderlich, dass die Work-Life-Balance in dieser Gruppe europaweit am niedrigsten ausgeprägt ist, meint Kümmerling. Allerdings lasse sie sich durch eine geeignete Arbeitszeitorganisation beeinflussen,  dabei wirken autonom wählbare Arbeitszeiten ebenso günstig wie Vorhersehbarkeit, Regelmäßigkeit, ein unbefristeter Arbeitsvertrag oder hohes Qualifikationsniveau. Negativ wirken sich atypische Arbeitszeiten am Wochenende sowie Schicht- und Nachtarbeit aus.

 

Weitere Informationen:

Dr. Angelika Kümmerling
angelika.kuemmerling(at)uni-due.de