future-Newsletter März 2012

10.02.2012

Bürgerkapital für landwirtschaftliche Entwicklung

Landwirtschaft und Regionalwirtschaft sozial, ökologisch und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten ? das ist das Ziel der Regionalwert AG aus Eichstetten bei Freiburg. Ihr Gründer Christian Hiß wurde Ende 2011 als "Social Entrepreneur des Jahres" ausgezeichnet.

Produktion und Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sind weniger gewinnbringend als der Handel mit ihnen. Das macht es schwierig, Hofübernahmen und Gründungen zu finanzieren. In der Region Freiburg hat die Regionalwirtschaft AG mit einem neuen Konzept für die Kapitalbeschaffung gesorgt. Sie hat von fast 500 Bürgerinnen und Bürgern insgesamt zwei Millionen Euro Eigenkapital eingesammelt, für das diese keine kurzfristige finanzielle Rendite erwarten. Die Regionalwert AG investiert das Kapital entlang der gesamten Wertschöpfungskette in bisher 16 Projekte. Handelsgewinne, die erzielt werden, dienen dazu, Kapital für Hofübernahmen oder Existenzgründungen günstiger als der Markt zur Verfügung zu stellen. Es handelt sich also um eine Art Quersubventionierung. Die Regionalwert AG berät außerdem schon vor der Gründung und stellt ihr Know-how für die Umsetzung auf rechtlicher und betriebswirtschaftlicher Ebene zur Verfügung.

Zur Übertragung des Konzepts auf andere Regionen wurde eine Dachgesellschaft gegründet. Die Idee ist, dass nach Freiburger Vorbild auch anderswo engagierte Menschen eine Regionalwert AG gründen und dafür das Know-how und die Marke des "Originals" nutzen. Die Dachgesellschaft gehört dabei gemeinsam allen Regionalwert-Gesellschaften ? es handelt sich also nicht um ein Franchisesystem.

Die Auszeichnung zum "Social Entrepreneur des Jahres" wird von der Schwab Stiftung für Social Entrepreneurship, der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group und der Financial Times Deutschland an herausragende Unternehmerpersönlichkeiten vergeben. Voraussetzung für eine Auszeichnung: Die Organisationen verfolgen in ihrer Arbeit innovative Ansätze zur Lösung von gesellschaftlichen oder ökologischen Problemen und setzen dabei auf ökonomische Konzepte statt auf Spenden.